Welches Pferd passt zu mir?

Die Anforderungen an ein iberisches Pferd sind abhängig von dem, was ich mit dem Pferd vor habe.

 

Soll es ein zuverlässiges, gemütliches Freizeitpferd werden, sind die Bewegungen nicht so wichtig. Man tritt hier ja mit niemanden in Konkurrenz. Auch spielt hierbei die Größe des Pferdes keine Rolle, ebenso wenig ob das Pferd eher barock ist oder eher im Spottyp steht, Wer einen tollen, verlässlichen Partner für seine Freizeit sucht, hat daher die größte Auswahl. Letztlich möchte man hierfür dann ja einfach ein Pferd, bei dem es "klick" macht, bei dem man das Gefühl, hat, dass es genau "DAS" Pferd ist. Ein Pferd bei dem man sich verlieren kann, bei dem man ausspannen und träumen kann. Ein Pferd zum Liebhaben.

 

Ist das Ziel die Working Equitation, Doma Vaquera oder andere Disziplinen, sind die Bewegungen nicht so wichtig wie in der FN-Dressur. Hierbei geht es im Dressurteil mehr umr die Reinheit der Gänge, die Dynamik und die Korrektheit der Übergänge. Besonders viel Schulterfreiheit, Schwung und Raumgriff ist hierbei nicht so stark bewertet. Dennoch muss darauf geachtet werden, dass das Pferd im Schritt freilaufend, wie auch unter dem Reiter keinen Pass geht - was bei iberischen Pferden leider öfter mal der Fall ist. Darüber hinaus müssen Pferde für diese Sparten des Sportes sehr wendig und belastbar sein, was man besonders häufig bei den barocken iberishcen Pferden findet. Ausserdem benötigt es einen klaren, verlässlichen und gefestigten Charakter. Man sollte also bei Pferden für diese Sparten besonders auf den Charakter achten. Ein sehr schreckhaftes Pferd oder gar ein Pferd, was zu vermehrtem Ungehorsam neigt, ebenso wie hengstige Hengste sind für diese Sparten des Sportes eher weniger geeignet. Wer diese Richtung der Reiterei anstrebt, sollte sich das Pferd also genau in seiner Umgebung, unter dem Sattel und bei der Arbeit unter vielen anderen Pferden anschauen. Wie in anderen Ländern auch, gibt es auch in Spanien Zuchten, die hauptsächlich auf Größe oder auf Farbe Wert legen und damit dem Charakter des Pferdes einfach zu wenig Beachtung schenken.

 

Ist das Ziel hingegen die FN-Dressur, so sollte den Bewegungen des Pferdes allerhöchste Aufmerksamkeit gegeben werden. Wichtig ist dabei darauf zu achten, dass das Pferd genügen Raumgriff in seiner Bewegung hat, ohne dabei "flach" zu werden. Gewünscht sind eine gute Knieaktion mit hohem Raumgriff, großer Schulterfreiheit und keinem Campaneo, zumal ein gering ausgeprägter Campaneo auch in der FN mittlerweile keine negativen Auswirkungen mehr hat. Ein ausgeprägter Campaneo hingegen ist auch weiterhin auf FN-Turnieren höchst ungern gesehen.  Ebenfalls sollte dem Schritt eine übergeordnete Beachtung geschenkt werden - zumindest bis zum Vorderuf sollte der Hinterhuf auch im Schritt kommen, eher sogar darüber treten, ausserdem darf das Pferd weder unterm Sattel noch freilaufend Pass gehen, was bei iberischen Pferden leider öfter zu sehen ist. Iberische Pferde mit solchen Bewegungseigenschaften wird man eher im sportlichen Typ finden, als im barocken Pferdetyp. Zusätzlich sollte aber auch für die FN-Reiterei dem Charakter des Pferdes eine ausreichende Bedeutung zugeschrieben werden. Immerhin geht es gerade in der Dressur ja um höchste Genauigkeit, bei der ein unausgeglichener Charakter, hohe Schreckhaftigkeit oder starke Hengstigkeit nicht zu gebrauchen sind. Nicht ausser Acht gelassen werden sollte auch die Größe. Zwar hat Größe nichts mit Vermögen zu tun, dennoch erlebt man es immer häufiger, dass gerade sehr kleine Pfede auf Dressuren im höheren Bereich (ab L-Kandare oder M/B) gerne schlechter bewertet werden, obwohl deren Leistung besser war, als die der größeren Konkurrenz. Schaut man sich aber mal an, wie groß die heutigen Dressurpferde so sind, braucht man sich über nichts mehr wundern.

 

Ein Hinweis in eigener Sache, auf Grund der immer größer werdenden Popularität iberischer Hengste:

 

Generell sei gesagt, dass iberische Pferde zwar oftmals leichter zu handhaben und viel gehorsamer sind als Beispielsweise Englisch Vollblüter, Araber oder Warmblüter. Jedoch heißt das nicht, dass ein iberischer Hengst für einen Anfänger oder einen ängstlichen Reiter geeignet ist. Ein Hengst bleibt ein Hengst und hat nichts in den Händen eines Anfängers oder ängstlichen Reiters zu suchen. Denn auch einem iberischen Hengst kann es irgendwann den Schalter umlegen. Und spätestens hier ist dann ein Anfänger oder ängstlicher Reiter schlicht und ergreifend überfordert.

 

Mir ist die Anziehungskraft von Hengsten, gerade von iberischen Hengsten wirklich vollkommen bewußt, jedoch muss die Anschaffung eines Hengstes wirklich genau bedacht sein. Immerhin nimmt ja auch nicht jeder Reitstall einen Hengst auf. Ebenfalls muss ich damit rechnen, mit einem Hengst fast immer zurück stecken und ausweichen zu müssen. Und zu guter Letzt wird ein Hengst in Deutschen/Österreichischen/Schweizerischen Ställen nur selten so "pferegerecht" gehalten werden können, wie eine Stute oder ein Wallach. Davon ab kommt der Hengst von reiner Hengsthaltung - mit in Spanien separierten Stalltrakts und meistens keinen Stuten in der Reitbahn bzw. wenn, dann nie zusammen mit den Hengsten - dann meistens in einen "gemischten" Stall wo Hengsti regelmäßig auf Stuten treffen wird, wodurch das Risiko der "plötzlichen" Hengstigkeit zumindest nicht gemindert wird und tendenziell immer häufiger vor kommt. All diese Nachteile müssen einem absolut bewußt sein, wenn man sich für einen Hengst entscheidet.

 

Zur Beruhigung für diejenigen, die aber doch unbedingt die Optik eines Hengstes wollen:

Ein spät kastrierter Wallach wird seine Hengstoptik - bei gutem Training - niemals völlig verlieren, jedoch im Umgang DEUTLICHST einfacher sein. Überlegt Euch daher wirklich gut, ob es wirklich ein Hengst sein muss, oder ob ein spät kastrierter Wallach nicht genauso toll ist.

Stefanie Frede mit ihrem PRE Etrusco

Chiara Lischka mit dem PRE Hengst Gitano CXCVI - Fotograf: Equine Photo Academy

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© Kathrin Kern