AKU - welche Untersuchungen machen Sinn?

Welche Untersuchungen machen eigentlich bei einem Pferd in Spanien oder Portugal Sinn?

 

Eigentlich die gleichen, wie die, die auch für alle anderen Länder der Welt gelten:

 

Generell kann man ein Pferd - wie in allen anderen Ländern auch - natürlich von oben bis unten und auf Herz und Nieren durchchecken lassen, wenn man das nötige Kleingeld dazu hat.

 

Die Frage ist: 

Was davon macht alles wirklich Sinn?

 

Wir alle wissen, dass sich ein Pferd - übrigens wie wir Menschen auch - mit den unmöglichsten "Defiziten" seines Körpers bestens arrangieren kann. Das "perfekte Pferd" wird man auch nicht finden, da es kein Pferd gibt, was absolut gleichmäßig hinsichtlich seines Körperbaus ist. Das ist einfach die Natur und ist bei uns Menschen kein bisschen anders.

 

In der Regel sagt man daher, dass bei einem bereits seit längerer Zeit gerittenen Pferd, zur klinischen Untersuchung des Allgemeinzustandes eines Pferdes noch die Hufrolle mit jeweils einem Bild pro Bein, die Fesselgelenke mit jeweils einem Bild pro Bein und die Sprunggelenke mit jeweils 2 Bildern pro Bein geröngt werden sollten. Eventuell kann man noch die Karpalgelenke und die Knie röntgen lassen. Ebenso sollte man den Rücken auf übermäßige Empfindlichkeiten untersuchen.

 

Stellt sich jetzt im Rücken eine übermäßige Empfindlichkeit raus, empfiehlt es sich mindestens die Brust- und Lendenwirbelsäule des Rückens auch noch röntgen zu lassen oder einfach gleich 3 Röntgenbilder des gesamten Rückens von Brustwirbeln bis zu den Lendenwirbeln anzuordern.

 

Wer sich aber absolut sicher gehen möchte, dass dem Rücken des zukünftigen Pferdes nichts fehlt, der sollte in jedem Fall den gesamten Rücken (3 Röntgenbilder - á 20-30 Euro in Spanien) röntgen lassen, denn es ist durchaus auch schon vorgekommen, dass ein Pferd Schäden am Rücken hatte, obwohl es bei genaem Abtasten KEINERLEI Empfindlichkeiten zeigte. Ein Röntgen des Beckens ist im Übrigen eher nicht sinnvoll. Dies ist zwar möglich, auf Grund der hohen Knochendichte in diesem Bereich (Hinterbeine münden ins Becken), wie auch auf Grund der intensiven Muskelmasse aussenrum, geben Röntgenbilder dieses Bereichs eher weniger Aufschluss. Um hier mehr zu erfahren, müsste ein Pferd in die Szinthigrafie gebracht werden, was nur in einer Klinik und in den meisten Fällen noch nur in Vollnarkose möglich ist.

 

Daher zusätzlich noch ein Tipp um eventuelle Probleme im Bereich des Beckens, des ISG (Kreuzdarmbeingelenk) oder anderen Regionen des Rückens heraus zu finden OHNE, dass das Pferd in die Szinthigrafie geschoben werden muss:
Betrachtet das Pferd im gleichmäßigen, geschlossenen Stand (Hinterbeine und Vorderbeine stehen paralell): Ist der Schweif gerade hängend und nicht auf der linken oder rechten Seite höher angebracht, liegen die Beckenknochen auf gleicher Höhe und ist die Muskulatur auf beiden Seiten des Beckens nahezu gleich intensiv ausgeprägt, ist dies schon ein gutes Zeichen. Ist dem hingegen nicht so, ist das ein deutliches Zeichen für gewisse Probleme im Bereich des Beckens, ISG oder des Rückens. Es empfiehlt sich gute Fotos vom Pferd, von hinten zu machen und dies, wenn man sich unsicher ist, einem erfahrenen Chiropraktiker per Mail oder Whatsapp zukommen und beurteilen zu lassen.

 

Weiterhin empfiehlt es sich immer - egal in welchem Land - jegliche Röntgenbilder dem Tierarzt des Vertrauens vorzustellen, da dieser ja doch schon das eigene Vertrauen genießt und es zum anderen immer sinnvoll ist "einen zweiten Blick" auf die Ergebnisse werfen zu lassen, denn 4 Augen sehen ja doch mehr als zwei. 

 

Eines muss einem beim Kauf eines Pferdes in Spanien einfach auch klar sein:

Spanier legen oftmals, gerade in kleineren Gestüten, NOCH weniger wert auf eine schonende Ausbildung von jungen Pferden und reiten daher gerne mehr "oben ran", weniger "geschlossen" und weniger "über den Rücken", einfach weil es Tradition ist, dass das Pferd in der Bewegung spektakulär aussehen soll. Dies geht logischerweise auch mehr auf den Rücken, was einem als Käufer einfach bewußt sein sollte. Einige größere Gestüte und einige bekanntere Vermittler haben hier bereits umgestellt und reiten auch ihre Pferde schonender an.

 

Würde ich nun auf der Suche nach einem Pferd sein, was schon länger geritten ist, würde ich zumindest sowol den Fessel-, Karpal- und Sprunggelenken, wie auch insbesondere dem Rücken intensivere Beachtung schenken. Wie oben schon erwähnt empfiehlt sich das Röntgen des Rückens (wenigstens Brust- und Lendenwirbelsäulre) auch dann, wenn das Pferd an diesem KEINE Empfindlichkeite zeigte, da trotz allem bereits ein Schaden vorliegen kann.

 

Dies soll aber alles nur ein Hinweis, ein Anhaltspunkt darstellen und keinesfalls ein aboslutes Muss. Es gibt immerhin auch einige Pferde in Spanien die sehr gut und schonend ausgebildet sind. Ich empfehle also wie beim Kauf im eigenen Land sich das Pferd persönlich genau anzusehen, evenutell vorreiten zu lassen und selbst Probe zu reiten um dann zu entscheiden, welche Untersuchungen Sinn machen.

 

Bei einem jungen, ungerittenen Pferd genügt erfahrungsgemäß meistens auch die klinische Untersuchung. Wer aber auf Nummer sicher gehen will, sollte auch hier die entsprechenden Untersuchungen zusätzlich anordern.

 

Grundsätzlich gilt:

Wer lange genug sucht, wird immer einen Fehler finden... denn das perfekte Pferd gibt es nicht. Und wer ein perfektes Pferd will, sollte sich besser auf ein Barbiepferd oder Schaukelpferd verlegen.

 

 

Chip im Gelenk eines Pferdes

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© Kathrin Kern